Unternehmensnachfolge-Börsen in Deutschland: Alle wichtigen Plattformen im Vergleich

Wo findet man in Deutschland Unternehmen zum Kauf? Ein strukturierter Vergleich aller relevanten Nachfolge-Börsen und Plattformen – von nexxt-change bis Viaductus – mit Stärken, Schwächen und konkreten Empfehlungen.

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Wer in Deutschland ein Unternehmen kaufen möchte, steht vor einer unübersichtlichen Plattformlandschaft: Dutzende Börsen, Broker-Plattformen, regionale Kammerbörsen und spezialisierte Marktplätze existieren nebeneinander – ohne klare Struktur, ohne zentralen Überblick.

Dieser Artikel sortiert das. Welche Plattformen gibt es, was bieten sie, für wen eignen sie sich – und warum reicht eine einzelne Plattform für eine ernsthafte Suche nicht aus?


Warum die Plattformwahl wichtig ist

Die Wahl der richtigen Suchplattform entscheidet darüber, welchen Teil des Marktes man sieht – und welchen nicht. Das ist kein triviales Problem: Ein erheblicher Teil der Unternehmen, die einen Nachfolger suchen, ist nie auf den großen öffentlichen Börsen gelistet. Inhaber inserieren diskret, über Makler, über regionale Kammernetzwerke oder über Steuerberater-Kontakte.

Wer ausschließlich auf einer einzelnen Börse sucht, sieht im besten Fall 20 bis 30 Prozent des relevanten Marktes.


Die wichtigsten Plattformen im Überblick

nexxt-change – die staatliche Referenzbörse

nexxt-change.org ist die größte und bekannteste Unternehmensnachfolge-Börse Deutschlands. Sie wird vom Bundesministerium für Wirtschaft, der KfW Bankengruppe, dem DIHK, dem Zentralverband des Deutschen Handwerks und weiteren Partnern betrieben.

Stärken:

  • Kostenlos für Käufer und Verkäufer
  • Größtes Angebot an öffentlichen Inseraten (aktuell über 6.000 Angebote)
  • Regionales Netzwerk mit rund 730 Partnern (IHK, Handwerkskammern, Sparkassen)
  • Staatliche Qualitätsprüfung – jedes Inserat wird von einem Regionalpartner geprüft
  • 19.000 erfolgreiche Vermittlungen seit 2006

Schwächen:

  • Nur öffentlich inserierte Unternehmen sichtbar
  • Suchfunktion und Filteroptionen relativ einfach
  • Kein direkter Kontakt – erste Anfragen laufen über Regionalpartner

Für wen: Erste Anlaufstelle für jeden, der neu in die Suche einsteigt. Pflichtbestandteil jeder strukturierten Nachfolgesuche.


Deutsche Unternehmerbörse (DUB) – reichweitenstärkster Marktplatz

dub.de ist seit 2011 online und bezeichnet sich selbst als reichweitenstärkste Plattform für Unternehmenstransaktionen in Deutschland. Hinter der DUB steht das Handelsblatt-Netzwerk.

Stärken:

  • Große Anzahl an Inseraten, auch aus dem höheren Preissegment
  • Zusätzliche Marktplätze für Insolvenzkäufe, Berater und Franchise
  • Käuferbörse – Kaufinteressenten können sich inserieren lassen

Schwächen:

  • Inserieren kostet mehrere hundert Euro (für Verkäufer), was kleine Betriebe abschreckt
  • Qualitätskontrolle der Inserate geringer als bei nexxt-change
  • Stärker auf mittleres und größeres KMU-Segment ausgerichtet

Für wen: Interessant wenn man auch größere Transaktionen oder das mittlere Preissegment (ab ca. 500k) im Blick hat.


Viaductus – die Metasuche für Unternehmensnachfolge

viaductus.de verfolgt einen anderen Ansatz als klassische Börsen: Statt eigener Inserate aggregiert Viaductus Angebote aus über 70 Broker-Websites, Marktplätzen und Nachfolgebörsen in einer einzigen Suche.

Stärken:

  • Breiteste Marktabdeckung durch Aggregation von 70+ Quellen
  • KI-gestützte Klassifikation und Anreicherung der Angebote
  • Strukturierte Suche nach Branche, Region, Kaufpreisbereich und weiteren Kriterien
  • Ein Suchvorgang ersetzt dutzende Einzelsuchen auf verschiedenen Plattformen
  • Besonders nützlich für Käufer, die noch nicht wissen, in welcher Branche oder Größenklasse sie suchen wollen

Schwächen:

  • Keine eigenen Inserate – reine Aggregation öffentlich verfügbarer Angebote
  • Deckt den diskreten, nicht-öffentlichen Teil des Marktes nicht ab

Für wen: Ideal als zentrale Suchoberfläche, die mehrere Plattformen gleichzeitig abdeckt. Spart erheblich Zeit gegenüber manueller Suche auf Dutzenden Einzelplattformen.


KERN Unternehmensnachfolge – beratungsintegrierter Marktplatz

die-nachfolgespezialisten.eu ist die Börse von KERN – Unternehmensnachfolge, einem bundesweiten Netzwerk von M&A-Beratern mit Spezialisierung auf den Mittelstand.

Stärken:

  • Nicht nur Marktplatz, sondern auch Beratungsangebot
  • Zugang zu nicht-öffentlich inserierten Mandaten über das Beraternetzwerk
  • Jährlich rund 40 erfolgreich vermittelte Transaktionen (eigene Angaben)

Schwächen:

  • Kleineres Volumen an öffentlichen Inseraten
  • Beratungsleistungen sind kostenpflichtig

Für wen: Interessant wenn man gleichzeitig professionelle Begleitung im Prozess sucht, nicht nur Angebote.


IHK- und Handwerkskammer-Börsen – regional, aber unterschätzt

Nahezu jede IHK und Handwerkskammer in Deutschland betreibt eine eigene Nachfolgebörse oder ist Regionalpartner von nexxt-change. Die IHK München etwa bietet eine Plattform, die eigene Inserate aus dem IHK-Nachfolger-Pool mit nexxt-change-Angeboten kombiniert.

Stärken:

  • Starker regionaler Fokus
  • Direkter Kontakt zu Beratern vor Ort
  • Proaktive Vermittlung: Wer sich registriert, wird bei passenden Angeboten kontaktiert
  • Kostenlos

Schwächen:

  • Meist kleines Angebotsvolumen je Kammer
  • Qualität und Aktualität der Inserate variiert stark

Für wen: Unverzichtbar für alle, die in einer bestimmten Region suchen. Kombiniert mit nexxt-change und Viaductus ergibt sich eine vollständige regionale Marktabdeckung.


Weitere spezialisierte Plattformen

Calandi – Marktplatz mit Fokus auf kleinere Transaktionen, bietet als Zusatzleistung für Verkäufer kostenlose Imagefilm-Erstellung an.

firma-verkauf.de – überregionale Börse für Unternehmenskauf und -verkauf, mit Fokus auf Einzelhandel und Dienstleistung.

Stabwechsel – besonderer Ansatz: zeigt ausschließlich Kaufinteressenten (MBI-Kandidaten), nicht Unternehmen. Für Verkäufer interessant, die aktiv auf Käufersuche gehen.

nachfolge-boerse.de (Dr. Ing. Preißing AG) – spezialisiert auf Architekten und Ingenieure.

DATEV-Kanzlei-Börse – spezialisiert auf steuerberatende Berufe, erfordert DATEV-Mitgliedschaft.

Landarztbörse – spezialisiert auf Arztpraxen und medizinische Versorgungszentren.


Wie man die Plattformen kombiniert: eine Suchstrategie

Keine einzelne Plattform deckt den gesamten Markt ab. Eine strukturierte Suche nutzt mehrere Quellen parallel:

Schicht 1 – breite Marktabdeckung:
Viaductus als Aggregator für den öffentlich inserierten Markt. Ein Suchvorgang ersetzt die manuelle Suche auf 70+ Einzelplattformen.

Schicht 2 – staatliche Referenz:
nexxt-change als Pflichtcheck – hier sind viele Inserate, die nicht auf kommerziellen Plattformen erscheinen, weil die staatliche Börse kostenlos ist.

Schicht 3 – regionaler Kontakt:
IHK oder Handwerkskammer der Zielregion – Registrierung als Kaufinteressent, um proaktiv über neue Angebote informiert zu werden.

Schicht 4 – aktives Netzwerk:
Steuerberater, M&A-Berater oder Branchenkontakte – für den nicht-öffentlichen Teil des Marktes.

Wer alle vier Schichten abdeckt, hat eine realistische Chance, den relevanten Markt vollständig zu überblicken.


Was auf keiner Börse steht: der diskrete Markt

Der wichtigste Teil des Marktes ist der, der nirgendwo sichtbar ist. Schätzungen zufolge läuft ein erheblicher Teil aller Nachfolgen komplett diskret – ohne öffentliche Inserate, über persönliche Netzwerke, Steuerberater-Empfehlungen oder direkte Ansprache durch potenzielle Käufer.

Die attraktivsten Unternehmen – stabile Cashflows, loyale Belegschaft, keine Sanierungsfälle – kommen oft nie auf eine Börse, weil der Inhaber bereits über sein Netzwerk einen geeigneten Kandidaten findet.

Das bedeutet: Wer nur Börsen nutzt, hat eine systematisch selektierte Auswahl vor sich. Die Unternehmen, die schnell einen Käufer finden, sind oft bereits weg. Was übrig bleibt, hat oft strukturelle Gründe dafür.

Das ist kein Argument gegen Börsen – sie sind ein unverzichtbarer Einstiegspunkt. Aber es ist ein Argument dafür, parallel aktiv im Netzwerk zu suchen.


Fazit: Aggregation schlägt Einzelsuche

Der deutsche Markt für Unternehmensnachfolge ist zu fragmentiert für eine Einzelplattform-Strategie. Wer ernsthaft sucht, braucht einen Ansatz, der mehrere Quellen kombiniert – vom staatlichen nexxt-change über kommerzielle Börsen bis zur regionalen Kammer und dem aktiven Netzwerk.

Plattformen wie Viaductus, die diesen fragmentierten Markt aggregieren und strukturiert durchsuchbar machen, reduzieren den Suchaufwand erheblich – können aber den aktiven, netzwerkbasierten Teil der Suche nicht ersetzen.

Die beste Strategie: Beides parallel.


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Über den Autor

Christopher Heckel profile picture

Christopher Heckel

Co-Founder & CTO

Christopher hat als CTO des Mittelstandsfinanziers Creditshelf die digitale Transformation von Finanzlösungen für den Mittelstand geleitet. viaductus wurde mit dem Ziel gegründet, mit Technologie für Unternehmensübernahmen und -verkäufe Menschen zu unterstützen, ihre finanziellen Ziele zu erreichen.

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