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8 Fehler, die neue Unternehmensnachfolger in Deutschland am häufigsten machen

Unternehmensnachfolge scheitert selten am falschen Unternehmen – sondern an vermeidbaren Fehlern im Prozess. Diese acht Fehler sehen wir bei Viaductus am häufigsten. Und wie man sie vermeidet.

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Eine Unternehmensübernahme scheitert selten an der Qualität des Unternehmens. Sie scheitert fast immer an vermeidbaren Fehlern im Prozess – Fehler, die sich in der Praxis immer wieder wiederholen, quer durch Branchen, Größenklassen und Käuferprofile.

Bei Viaductus sehen wir täglich, wie Käufer Unternehmen suchen, Kontakt aufnehmen und Übernahmen vorbereiten. Diese acht Fehler tauchen am häufigsten auf.


Fehler 1: Zu spät mit der Suche beginnen

Der häufigste Fehler überhaupt. Viele Interessenten beginnen erst dann ernsthaft zu suchen, wenn die persönliche Situation drängt – nach der Kündigung, kurz vor dem Ende des ALG-I-Anspruchs, oder wenn eine Geschäftsidee bereits konkret ist. Zu diesem Zeitpunkt ist der Handlungsspielraum oft schon stark eingeschränkt.

Eine Unternehmensübernahme dauert vom ersten ernsthaften Kontakt bis zum Closing im Schnitt 6 bis 12 Monate. Wer diese Zeit nicht hat, trifft unter Druck schlechtere Entscheidungen – oder nimmt ein Unternehmen, das nicht wirklich passt, weil es das erste verfügbare ist.

Was stattdessen hilft: Die Suche beginnt idealerweise 12 bis 18 Monate vor dem angestrebten Übernahmetermin – auch wenn das Ziel noch nicht vollständig klar ist. Die Suche selbst schärft das Profil.


Fehler 2: Nur auf öffentlichen Börsen suchen

Wer ausschließlich auf nexxt-change, DUB oder ähnlichen Plattformen sucht, sieht nur einen Bruchteil des Marktes. Ein erheblicher Teil der Nachfolgen läuft diskret: Inhaber wollen nicht, dass Mitarbeiter, Kunden oder Wettbewerber von einem möglichen Verkauf erfahren, bevor ein konkreter Käufer feststeht.

Die attraktivsten Unternehmen – stabile Cashflows, loyale Belegschaft, gute Kundenbeziehungen – sind oft nie öffentlich inseriert. Sie werden über Steuerberater, IHK-Netzwerke, M&A-Berater oder direkte Ansprache vermittelt.

Was stattdessen hilft: Parallel zur Börsensuche aktiv im Netzwerk suchen, sich bei IHK und Handwerkskammer registrieren, und bei einem klaren Branchenfokus auch Unternehmen direkt ansprechen. Wer auf einer Plattform wie Viaductus sucht, die über 70 Quellen aggregiert, erhöht die Marktabdeckung erheblich – aber auch das ersetzt den aktiven Netzwerkansatz nicht vollständig.


Fehler 3: Den Kaufpreis nicht hinterfragen

Viele Käufer nehmen die erste Kaufpreisvorstellung des Verkäufers als gegeben hin. Das ist ein teurer Fehler. Kaufpreisvorstellungen von Inhabern, die ihr Lebenswerk verkaufen, sind regelmäßig zu hoch – nicht aus Böswilligkeit, sondern weil emotionaler Wert und Marktwert selten übereinstimmen.

Die Faustformel der Finanzierungspraxis: Ein angemessener Kaufpreis liegt beim 3- bis 5-fachen des nachhaltigen Jahresergebnisses. Liegt der geforderte Preis deutlich darüber, muss er aus dem Betriebsergebnis heraus nicht mehr finanzierbar sein – was bedeutet, dass die Bank nicht mitspielt.

Was stattdessen hilft: Eine unabhängige Unternehmensbewertung beauftragen oder selbst anhand der Jahresabschlüsse der letzten drei Jahre rechnen. Der Kaufpreis ist immer verhandelbar – und in einem Käufermarkt mehr als je zuvor.


Fehler 4: Die Due Diligence unterschätzen

Eine Unternehmensübernahme ohne gründliche Due Diligence ist wie ein Gebrauchtwagenkauf ohne TÜV. Versteckte Verbindlichkeiten, laufende Rechtsstreitigkeiten, auslaufende Schlüsselverträge mit Kunden oder Lieferanten, nicht dokumentierte Abmachungen mit Mitarbeitern – all das kann nach dem Closing zu teuren Überraschungen führen.

Besonders bei kleineren Handwerksbetrieben und inhabergeführten Dienstleistern ist die Dokumentationslage oft lückenhaft. Nicht aus Absicht, sondern weil vieles über Jahrzehnte mündlich geregelt wurde.

Was stattdessen hilft: Einen Steuerberater und einen Rechtsanwalt mit der Due Diligence beauftragen. Die Kosten dafür – typischerweise 3.000 bis 10.000 Euro je nach Unternehmensschlüsselgröße – sind eine der sinnvollsten Investitionen im gesamten Prozess.


Fehler 5: Die Inhaberabhängigkeit nicht beurteilen

Ein Unternehmen kann auf dem Papier hervorragend aussehen und in der Praxis trotzdem ein erhebliches Risiko darstellen – wenn der gesamte Kundenstamm an die Person des Inhabers gebunden ist. Wenn 70 Prozent des Umsatzes aus langjährigen Beziehungen des Inhabers entstehen, die dieser in 35 Jahren aufgebaut hat, ist die Frage: Was bleibt nach der Übergabe?

Dieses Risiko taucht in Jahresabschlüssen nicht auf. Es lässt sich nur durch gründliche Gespräche mit dem Inhaber, seinen Mitarbeitern und – wenn möglich – Schlüsselkunden beurteilen.

Was stattdessen hilft: Explizit fragen: "Welche Ihrer Kunden würden auch mit einem neuen Eigentümer weiterarbeiten?" und "Welche Kundenbeziehungen laufen über Sie persönlich?". Eine begleitete Übergangsphase von 6 bis 12 Monaten ist bei hoher Inhaberabhängigkeit unbedingt zu vereinbaren.


Fehler 6: Die Finanzierung zu spät klären

Viele Käufer finden erst ein Unternehmen und kümmern sich dann um die Finanzierung. Das verursacht unnötigen Zeitdruck und kann dazu führen, dass eine gute Gelegenheit platzt, weil die Bank zu langsam ist.

Wer außerdem ALG-I-Ansprüche hat und einen Gründungszuschuss beantragen möchte, muss das vor dem Closing tun – nicht danach. Wer das versäumt, verliert Ansprüche, die nicht nachträglich geltend gemacht werden können.

Was stattdessen hilft: Finanzierungsrahmen klären, bevor man ernsthaft zu verhandeln beginnt. Das bedeutet: KfW-Förderprogramme und Bürgschaftsbank-Optionen verstehen, Eigenkapitalbasis kennen, und mit der Hausbank ein grundsätzliches Commitment einholen. Das gibt Verhandlungssicherheit.


Fehler 7: In den ersten Monaten zu viel zu schnell ändern

Neue Inhaber unterschätzen regelmäßig, wie destabilisierend Veränderungen in der Anfangsphase wirken können. Mitarbeiter, die ihren langjährigen Chef verloren haben und nun einem Fremden gegenüberstehen, reagieren auf Änderungen besonders empfindlich – auch wenn die Änderungen objektiv sinnvoll sind.

Ein Mitarbeiter, der geht, weil er dem neuen Inhaber nicht vertraut, nimmt oft implizites Wissen mit, das nirgendwo dokumentiert ist und jahrelang nicht ersetzbar ist. Kunden, die den alten Inhaber persönlich kannten, sind in dieser Phase besonders anfällig für einen Wechsel.

Was stattdessen hilft: Die ersten drei Monate konsequent auf Zuhören setzen. Verstehen, wie das Unternehmen wirklich funktioniert, bevor man etwas ändert. Kleine, sichtbare Verbesserungen – ein neues Buchungssystem, eine modernisierte Website – schaffen Vertrauen, ohne bestehende Strukturen zu erschüttern.


Fehler 8: Das eigene Profil nicht vorbereiten

Ein Unternehmen übernehmen zu wollen reicht nicht. Inhaber wählen ihren Nachfolger – das ist der entscheidende Unterschied zur Jobsuche. Wer sich bewirbt, präsentiert sich nicht einem anonymen Auswahlprozess, sondern einer Person, die dreißig Jahre ihres Lebens in dieses Unternehmen gesteckt hat und entscheidet, ob dem neuen Eigentümer das Lebenswerk anvertraut werden kann.

Wer in diesem Gespräch kein überzeugendes Bild von sich selbst, seiner Erfahrung und seiner Vision für das Unternehmen vermitteln kann, verliert – unabhängig vom gebotenen Preis.

Was stattdessen hilft: Ein strukturiertes Käuferprofil vorbereiten: Wer bin ich, was bringe ich mit, warum dieses Unternehmen, was will ich damit machen? Das klingt selbstverständlich – ist in der Praxis aber selten gut vorbereitet.


Fazit: Nachfolge ist erlernbar

Alle acht Fehler haben gemeinsam, dass sie vermeidbar sind – mit Vorbereitung, dem richtigen Timing und der Bereitschaft, professionelle Unterstützung zu holen. Unternehmensnachfolge ist kein Sprung ins Dunkle. Es ist ein strukturierter Prozess, der sich in Deutschland jedes Jahr Zehntausende Male erfolgreich vollzieht.

Wer die häufigsten Fehler kennt, macht sie seltener.


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Über den Autor

Christopher Heckel profile picture

Christopher Heckel

Co-Founder & CTO

Christopher hat als CTO des Mittelstandsfinanziers Creditshelf die digitale Transformation von Finanzlösungen für den Mittelstand geleitet. viaductus wurde mit dem Ziel gegründet, mit Technologie für Unternehmensübernahmen und -verkäufe Menschen zu unterstützen, ihre finanziellen Ziele zu erreichen.

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